Zahlenmengen

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atürlich kann ich auf dich zählen, das hast du mir immer wieder versichert, natürlich liebst du mich -
    doch frei nach dem Unvollständigkeitssatz würde ich sagen dass beides weder bewiesen noch belegt worden ist.
    Ich konnte immer darauf zählen, dass du mir nach jeder Trennung deine Liebe beteuerst,
    mich aber nicht darauf verlassen, dass du sie während der Beziehung zeigst.
 
    Kurt Gödel hatte jahrelang Depressionen und später auch eine zwanghafte Essstörung,
    er hungerte sich schließlich zu Tode.
    Ein Schicksal dass mir auch geblüht hätte, hätte ich mich weiterhin von abgelaufenen Erinnerungen
    und verdorbenen Zukunftsträumen ernährt.

    Giuseppe Peano und seine Frau Carola sprachen vermutlich selten über die Axiomatik natürlicher Zahlen,
    doch die leere Menge zwischen uns nahm in unseren Gesprächen ironischerweise den ganzen Platz ein.
    Je mehr wir darüber sprachen, desto mehr potenzierte sie sich -
    und doch blieb nur die leere Menge selbst, nie mehr, nie weniger.


um zweiten Jahr folgte die Erweiterung der bislang gekannten Variablen
   und wir bewegten uns erstmals im negativen Bereich.
   wir hatten viele große gemeinsame Teiler, jeder größere Streit trennte uns etwas mehr voneinander
   und es wurde immer schwieriger ein gemeinsames Vielfaches zu finden.

   Wie auch über Euklids leben kaum etwas bekannt ist,
    warst auch du zurückhaltend mit Informationen über deine Vergangenheit.
    Nach fast 1000 gemeinsamen Tagen könnte ich alles was ich über dich weiß in 1000 Wörtern zusammenfassen.

    Aber Worte waren sowieso nie dein bevorzugtes Kommunikationsmittel.

    Dennoch versprachst mir die Unendlichkeit, die Aufhebnung der Endlichkeit, einen Vorgang ohne ende
    aber mit Beginn. Und das bekam ich auch: endlose Diskussionen, nie geschlichtete Streitereien,
    ein offenes Ende ohne Lösung, gleichzeitig mit unendlichen.
    Dieses Leben, ein paar Jahrzehnte, nur noch einmal weinige Minuten, das hätte mir schon gereicht.


 uälend waren die letzten Wochen, unsere Beziehung nur noch eine Ansammlung schlecht addierter Brüche.
     Wie Leonhard Euler wurden wir im ersten Jahr auf einem Auge blind für die Fehler des anderen,
      versuchten sie nicht wahrzunehmen
      bis wir schlußendlich auch alles Gute übersahen.

      Durch die aufgestaute Frustration, das fehlende Verständnis füreinander, den gekränkten Stolz
      fielen wir in den finsteren Abgrund verletzter Gefühle
      und blind vor Wut verloren wir einander aus den Augen.
      Wir haben uns nie wieder gefunden.


 eelle Zahlen, so Wikipedia, bieten für jedes „stetige Problem“, das in einem gewissen Sinne beliebig gute,
    nahe beieinander liegende näherungsweise Lösungen hat, auch eine reelle Zahl als exakte Lösung.
    

    wir müssen also wohl jenseits der reellen Zahlen sein, sonst hätte ich ein Lösung gefunden,
    die nicht Trennung lautet.

    Denn das ist keine Lösung, sondern ein Abbrechen der unvollendeten Rechnung, ein Aufgeben der Aufgabe.
    Doch ich habe in unserer Formel nicht mit unerwarteten Faktoren gerechnet,
    deiner hemmenden Zukunftsangst, deiner unkontrollierbaren Gefühlsausbrüche,
    deiner Mutter.

   
    Über vieles könnte ich hinweg sehen, ich halte deine Hand und nehme mir alle Zeit der Welt,
    die Zukunft anzugehen, denn Zeit hätten wir gehabt, ich ertrage deine Wut und halte deine Frustration aus,

    Doch gegen die Liebe und den Beschützerinstinkt einer alleinerziehenden Mutter hat niemand eine Chance.
    Ich weiß nicht was oder wen sie sich gewünscht hätte, aber ich hoffe dass deine nächste Freundin es sein kann.

haos herrscht in meinem Kopf und doch kann ich nicht anders als mir auszumalen,
   wie unsere Gleichung geendet hätte, wären wir nicht so verschieden gewesen.
   Mit dem Altbau im 3. Stock, den zwei Zimmern, der Küche, Bad und dem kleinen Balkon.
   Mit einem kleinen gemeinsamen Nenner, vielleicht auch zwei oder drei.

   Mit imaginären Zahlen hätten vielleicht sogar wir eine Lösung für alle Probleme gefunden.
   Das was Descartes vermutlich am 7. September 1640 fühlte, empfinde ich jetzt.   

   Doch abgesehen von dem allgegenwärtigen Gefühl des unersetzlichen Verlusts, weiß ich auch,
   dass ich alles mir mögliche getan habe, und mir keine Vorwürfe machen muss. Es lag in deiner Hand.



Was sind und was sollen die Zahlen?    

   Frage ich mich seit dem ersten mal Mathematikunterricht in der Schule,
   und das werde ich vermutlich auch nie herausfinden,
   doch nun weiß ich was Dedekind noch nicht wusste:

   Die Liebe ist eine 
freie Schöpfungen des menschlichen Geistes, sie dient als Mittel,
   um die Verschiedenheit der  Menschen leichter und schärfer aufzufassen.
   Durch den unlogischen Aufbau der zwischenmenschlichen Beziehung und durch die in ihr
   gewonnene stetige Angst des Verlusts,  sind wir erst in den Stand gesetzt,             
   unsere Vorstellungen von Raum und Zeit genau zu untersuchen,
   indem wir dieselben auf dieses in unserem Geiste geschaffene Bild unserer Selbst beziehen.


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